Spatenstich: Neuer Fraunhofer-Standort in Cottbus stärkt Strukturwandel und Transfer

Pressemitteilung /

Fraunhofer wächst in Cottbus: Mit zwei Fraunhofer-Neubauten entstehen im Lausitz Science Park neue Innovationszentren für Energiewende, Mikroelekt-ronik und KI-gestützte Materialdiagnostik. Die Einrichtungen unterstützen den Strukturwandel der Region, sollen neue Arbeitsplätze schaffen und brin-gen Forschungsergebnisse schneller in die industrielle Anwendung.

Von links nach rechts: Prof. Dr. Mario Ragwitz (Fraunhofer IEG), Dr. Manja Schüle (Wissenschaftsministerin Brandenburg), Prof. Dr. Holger Hanselka (Fraunhofer-Präsident), Prof. Dr. Harald Schenk (Fraunhofer IPMS) und Prof. Dr. Gesine Grande (BTU-Präsidentin) als Gäste der Eröffnungsfeier.
Von links nach rechts: Doreen Mohaupt (Bürgermeisterin der Stadt Cottbus), Prof. Dr. Harald Schenk (Fraunhofer IPMS), Prof. Dr. Mario Ragwitz (Fraunhofer IEG), Prof. Dr. Holger Hanselka (Fraunhofer-Präsident), Dr. Manja Schüle (Wissenschaftsministerin Brandenburg), Dr. Dietmar Woidke (Ministerpräsident Brandenburg), Dr. Silke Launert (Parlamentarische Staatssekretärin) und weitere Gäste beim Spatenstich.
© Architektur: DGI Bauwerk; Visualisierung: Philipp Obkircher
Ideenkonzept der neuen Heimat des Fraunhofer IPMS-ISS und IKTS auf dem For-schungscampus Cottbus.

Mit dem Spatenstich beginnt der für die Region wichtige Ausbau des Forschungscampus Cottbus im Lausitz Science Park. Bis voraussichtlich 2030 sollen dort die Neubauten der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG sowie des Fraunhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme IPMS zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS fertiggestellt sein. Weitere Partner auf dem gemeinsamen Campus sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) sowie die Leibniz-Gemeinschaft. 

»Der Spatenstich zum ersten Bauabschnitt markiert einen wichtigen Meilenstein für die weitere Entwicklung des Lausitz Science Park. Als zentraler Baustein des Strukturwandels wird er Forschungseinrichtungen sowie innovative kleine und mittlere Unternehmen zusammenbringen und Wissenschaft, Wirtschaft und Technologietransfer vor Ort noch enger verzahnen«, sagt Prof. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. »Mit den Fraunhofer-Neubauten setzen wir wichtige Impulse für neue Arbeitsplätze, Innovationen und Wertschöpfung in der Region. Der Forschungscampus Cottbus trägt so dazu bei, die Lausitz als Zukunftsstandort für Energietechnologien, intelligente Mikrosysteme und industrielle Transformation weiter zu stärken.«

Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke, betonte anlässlich des Spatenstiches: »Mit einem Campus, der starke Partner wie die Fraunhofer Gesellschaft integriert, gewinnt Cottbus weiter an Profil als Forschungs- und Innovationsstandort. Hier werden zukunftsfähige Arbeitsplätze geschaffen, die sich mit den Fragen von morgen befassen - von digitaler Energieinfrastruktur bis zu alternativen Antrieben.«

Fraunhofer IEG erforscht nachhaltige Energiesysteme

Die Forschenden des Fraunhofer IEG arbeiten in Cottbus bereits seit 2020 mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) und regionalen Partnern an sektorenübergreifenden Energieinfrastrukturen, industrieller Energie- und Verfahrenstechnik, zukunftsweisenden Wärmeversorgungssystemen sowie Geotechnologien. Am neuen Forschungscampus wird das Institut ab 2030 seine leistungsstarke Testumgebung für Technologien zur Elektrifizierung der Wärmeversorgung im industriellen Maßstab umziehen und erweitern. Untersucht werden dort unter anderem Großwärmepumpen und Speicher sowie deren netzdienlicher Betrieb. Zudem entwickeln die Forschenden Modelle, um Transport- und Verteilnetze integriert zu planen und zu betreiben. Sie sind auch Ansprechpartner für Kommunen und energieintensive Industrie, die den Untergrund als Energiequelle und Energiespeicher für die Wärmetransformation erschließen wollen. »Wir freuen uns, in Cottbus Teil einer einzigartigen Innovationsgemeinschaft zu sein, die die traditionellen Kompetenzen der Energieregion Lausitz in zukunftsfeste Geschäftsmodelle überführt«, erklärt Prof. Dr. Mario Ragwitz, Leiter Fraunhofer IEG. »Die Zusammenarbeit über die ganze Innovationskette von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Gewerbe bis zu großen Unternehmen verspricht das richtige Umfeld, um Ideen rasch in den Markt zu bringen und die Energiewirtschaft zukunftsfest zu transformieren. Dazu tragen wir mit unserem Team gerne bei.«

110 Mitarbeitende werden künftig im neuen Bürogebäude des Fraunhofer IEG arbeiten. Ergänzt wird der Standort durch ein Technikum mit rund 720 Quadratmetern Fläche. Auf einer Außenversuchsfläche mit 1300 Quadratmetern entwickeln die Forschenden künftig große Energieanlagen, beispielsweise für industrielle Prozesswärme und -kälte, die Einbindung von Großwärmepumpen in Energie- und Wärmenetze sowie den Einsatz thermischer und elektrischer Speicher unter realitätsnahen Betriebsbedingungen. Zur Forschungsinfrastruktur gehören außerdem Hochleistungsrechner für komplexe Simulationen nachhaltiger Energieinfrastrukturen. Um den Knowhow-Transfer zu beschleunigen, richtet das Fraunhofer IEG auch ein digitales Lernlabor ein: Im sogenannten Transfer Quartier stärkt es mit Workshops, Schulungen und Fachveranstaltungen den Austausch zwischen Unternehmen, Start-ups, Kommunen und Forschung. Für den Neubau des Fraunhofer IEG stellen Bund und Land Fördermittel in Höhe von 20 Millionen Euro im Rahmen des Kohleausstiegs zur Verfügung sowie weitere 13,5 Millionen Euro für die wissenschaftlichen Anlagen.

Fraunhofer IPMS entwickelt intelligente Sensor- und Mikrosysteme

In direkter Nachbarschaft baut auch das Fraunhofer IPMS seinen Institutsteil »Integrated Silicon Systems« (ISS) aus. Die dort entwickelten Innovationen machen technische Systeme intelligenter, kompakter und energieeffizienter. Mikroelektronische und mikromechanische Sensorsysteme erfassen physikalische, chemische oder optische Informationen und wandeln sie in direkt nutzbare Daten um. Leistungsfähige Mikroelektronik und KI-Verfahren ermöglichen eine Datenverarbeitung direkt vor Ort, so dass Maschinen und Anlagen ihre Umgebung in Echtzeit erfassen, analysieren und darauf reagieren können. Forschungsbeispiele sind unter anderem eine kompakte hyperspektrale Kamera für Material- und Qualitätsanalysen, miniaturisierte Ultraschall-, chemische und optische Sensoren sowie Terahertz-Mikrosysteme, die in der intelligenten Produktion, der Energie-, Umwelt- und Wasserstofftechnik sowie in Medizin und Lebenswissenschaften Anwendung finden.

»Mit dem neuen Forschungscampus schaffen wir in Cottbus die Voraussetzungen dafür, dass aus wissenschaftlicher Exzellenz konkrete Innovationen für die Wirtschaft entstehen«, sagt Prof. Dr. Harald Schenk, Institutsleiter des Fraunhofer IPMS. »Die enge Verbindung von Fraunhofer mit der BTU ermöglicht kurze Wege bis zur industriellen Anwendung. Damit stärken wir nicht nur die Innovationskraft unserer Partnerunternehmen, sondern schaffen zugleich neue Perspektiven für Fachkräfte und wissenschaftlichen Nachwuchs. Der Forschungscampus ist deshalb weit mehr als ein neues Gebäude: Er ist ein wichtiger Baustein für den erfolgreichen Strukturwandel und für eine technologisch souveräne, wettbewerbsfähige Lausitz.«

Fraunhofer IKTS bündelt Prüfkompetenz und Künstliche Intelligenz

Die zerstörungsfreie Prüfung von Werkstoffen, Bauteilen und Systemen ist eine wichtige Expertise des Fraunhofer IKTS. Am Standort Cottbus kombiniert die Projektgruppe »Kognitive Materialdiagnostik« diese Kompetenz mit Methoden der Künstlichen Intelligenz und Datenanalyse – in Kooperation mit der BTU und dem Lausitzer Zentrum für Künstliche Intelligenz. Die Forschenden werten Mess-, Prozess- und Betriebsdaten aus, um Materialzustände, Bauteilqualitäten und das Verhalten technischer Systeme verlässlich zu beurteilen. Die Schwerpunkte reichen von der Mustererkennung und akustischen Diagnose über die Modellierung kontinuierlicher Industrieprozesse bis zu digitalen Zwillingen. Zum Einsatz kommen die Verfahren unter anderem in der fertigungsbegleitenden Qualitätskontrolle und der zustandsorientierten Instandhaltung industrieller Anlagen.

»Mit unserer Präsenz am neuen Forschungscampus setzen wir die langjährige Zusammenarbeit mit der BTU fort. Die Forschungsgruppe schafft eine wichtige Verbindung zwischen werkstoffwissenschaftlichem Verständnis, modernen Prüfverfahren und digitaler Auswertung. Der Campus bietet uns die Möglichkeit, das entstehende Forschungsumfeld fachlich mitzuprägen und gemeinsam neue Impulse für das industrielle Umfeld zu setzen«, sagt Prof. Alexander Michaelis, Institutsleiter des Fraunhofer IKTS.